„Demografie und Politik“: Tagung der Rentnergewerkschaft der CGIL/AGB in Bozen

„Demografische Daten werden oft verdreht, um Kürzungen im Sozialbereich zu rechtfertigen. Aber müssen wir angesichts des Bevölkerungsrückgangs wirklich länger arbeiten, uns mit niedrigeren Renten zufriedengeben und Kürzungen im Gesundheitswesen, in der Pflege und bei den Dienstleistungen hinnehmen?“ Diese Frage stellte der Landesvorsitzende der Rentnergewerkschaft der CGIL/AGB, Alfred Ebner, provokativ während der Tagung „Demografie und Politik“, die in Bozen in Zusammenarbeit mit der Rentnergewerkschaft von Mantua organisiert wurde. Eine Diskussion mit Experten zu einem Thema von strategischer Bedeutung auf nationaler Ebene, bei der auch die lokale Panikmache bezüglich eines künftigen Arbeitskräftemangel sowie die Nachhaltigkeit von Renten und Sozialleistungen thematisiert wurden.
Grundlage des Symposiums waren die Ausführungen von Professor Gerd Bosbach, der neben der Generalsekretärin des SPI, Tania Scacchetti, und dem Koordinator der „Alta Scuola“ des SPI, Fulvio Fammoni, zu den Hauptrednern der Tagung zählte. Bosbach, ein deutscher Statistiker und Autor, ehemaliger Berater des Bundestages und Universitätsdozent, bekräftigte in seinem Beitrag auf der Tagung, dass Prognosen nicht immer zuverlässig seien: „Prognosen zum Arbeitsmarkt in 50 Jahren sind wie Kaffeesatzlesen“, sagte er. Tatsächlich handelt es sich um demografische Hochrechnungen unter Berücksichtigung bestimmter, heute festgelegter, Voraussetzungen; was zählt, ist nicht die Anzahl der arbeitenden Menschen, sondern wie viel produziert wird. Der Kernpunkt ist nicht das Verhältnis zwischen jungen und älteren Menschen, sondern der Anteil des Wohlstands, der in Form von Löhnen und Renten im Vergleich zu Gewinnen und Renditen fließt. Die Konferenz bot daher auch Raum für kritische Stimmen, wonach die Belastung des Systems in den nächsten fünfzehn Jahren zwar zunehmen werde aber „bewältigbar“ ist, was aber nicht gleichbedeutend mit „kostenlos“ sei.
„Wir leugnen die Realität nicht: Die Alterung der Bevölkerung ist eine Tatsache und hat ihren Preis, aber sie ist bewältigbar“, erklärte Generalsekretär Ebner. Das Problem, so erklärte der Sekretär, betreffe weniger die Geburtenzahlen als vielmehr die Arbeit, die Löhne, die Produktivität und die Verteilung des Wohlstands, also die Frage, „wer dafür bezahlt“. Die Demografie, so wurde angemerkt, werde allzu oft als Argument herangezogen, das die Diskussion beendet, anstatt sie anzustoßen.
Was die „höchsten Rentenausgaben Europas“ (etwa 15 % des BIP) angeht, wies die Gewerkschaft darauf hin, dass es sich hierbei um Bruttozahlen handelt: Laut Itinerari Previdenziali sinkt dieser Wert nach Abzug der Sozialleistungen und der auf die Renten gezahlten Steuern unter 9 %. Das Problem liegt laut SPI woanders: Reallöhne, die von 1991 bis 2022 um lediglich 1 % gestiegen sind (INAPP), eine fast stagnierende Produktivität, prekäre Arbeitsverhältnisse, die niedrigste Beschäftigungsquote in der Europäischen Union im Jahr 2025 (Eurostat), fast acht Millionen Frauen zwischen 15 und 64 Jahren, die weder arbeiten noch Arbeit suchen, etwa 1,2 Millionen junge Menschen, die weder studieren noch arbeiten sowie 7% Arbeitslose.
In Südtirol liegt die Beschäftigungsquote bei fast 80 % und die der Frauen ist die höchste im Land, doch mehr als vier von zehn erwerbstätigen Frauen arbeiten in Teilzeit. „Teilzeit heute bedeutet eine magere Rente morgen“, bekräftigte Ebner.
Anlässlich der Tagung hat die Gewerkschaft vier Leitlinien vorgelegt: die alarmierenden Daten kritisch zu betrachten („statistische Hygiene“); die Debatte auf die Arbeit zu verlagern, mit mehr Beschäftigung für Frauen und junge Menschen, Kinderbetreuungs- und Altenpflegediensten sowie weniger prekären Beschäftigungsverhältnissen; Löhne und Produktivität in den Mittelpunkt der Tarifverhandlungen zu stellen; die Finanzierungsbasis des Sozialsystems zu erweitern, indem auch Kapitalerträge, große Vermögen und Gewinne einbezogen und die Steuerhinterziehung bekämpft werden.