Pflegekräfte: „Einhaltung der Bestimmungen und mehr Fortbildung“
Konkrete Umsetzung der Rechtsvorschriften für Pflegekräfte, mehr Fortbildung und besserer Schutz für die Arbeitnehmerinnen. Das sind die Forderungen, die im Mittelpunkt der Tagung „Pflege jenseits der Pflege. Für eine konkrete Unterstützung der emotionalen und körperlichen Gesundheit von Pflegekräften und älteren Menschen“ stehen, die vom AGB/CGIL am Dienstag, 16. Juni in Bozen veranstaltet wird.
Die Zahlen sprechen eine klare Sprache: In Südtirol gibt es etwa 16.000 pflegebedürftige Menschen, von denen über 70 % zu Hause betreut werden. Die Zahl der Alzheimer-Patienten wird auf 11.000 bis 13.000 geschätzt, davon bis zu 4.000 im schweren Stadium. Die Betreuung übernehmen größtenteils ausländische Pflegekräfte – laut Daten von Domina/Inps 2023–2024 sind es zwischen 4.300 und 4.400 regulär Beschäftigte –, doch die tatsächliche Zahl könnte fast doppelt so hoch sein, wenn man bedenkt, dass die Schwarzarbeit im häuslichen Bereich auf nationaler Ebene bei fast 47 % liegt.
„Die Belastung für die im Haushalt lebende Pflegekraft gehört zu den absolut schwersten“, erklärte Alfred Ebner, Sekretär der Spi/Cgil: „Die körperliche Belastung ist konstant, die emotionale ist verheerend und die zwischenmenschliche oft unsichtbar.“ Zu den konkreten Risiken zählen Muskel-Skelett-Erkrankungen, die durch Ergonomie und technische Hilfsmittel verhindert werden könnten. Instrumente, die jedoch leider nicht immer verfügbar sind und auch nicht mit einer angemessenen Schulung einhergehen. „Als Gewerkschaft“, betonte Ebner, „haben wir eine doppelte Aufgabe: die Arbeitnehmerin zu schützen und die Familie zu beraten. Ein eingehaltener Vertrag und eine nicht überlastete Pflegekraft garantieren auch eine bessere Betreuung des Patienten.“
Niedrige Löhne, prekäre Verträge, hohe physische und psychische Belastungen, geringe gesellschaftliche Anerkennung: Die Widersprüche dieses Sektors sind bekannt, werden aber selten mit der gebotenen Aufmerksamkeit angegangen. Andrea Camera, Generalsekretär der Fachgewerkschaft FILCAMS/LHFD, ging daraufhin näher auf den Vertragsstatus der Pflegekräfte ein, mit Besonderem Augenmerk auf die Notwendigkeit eines besseren Schutzes in den Bereichen Mutterschaft und Elternschaft, Krankheit und Kündigungen ein. „Sich um andere zu kümmern darf nicht bedeuten, auf die eigenen Rechte zu verzichten: Die vertraglichen Schwierigkeiten im häuslichen Bereich zeigen, dass es noch eine große Rechtslücke zu schließen gilt. Sowohl auf nationaler als auch auf regionaler Ebene wird intensiv in diese Richtung gearbeitet.“
An der Tagung nahmen auch Ulrich Seitz zu den Besonderheiten der Alzheimer-Krankheit, die Psychotherapeutin Francesca Zucali zu den psychologischen Aspekten und die Rechtsanwältin Arabella Martinelli zu den rechtlichen Aspekten sowie zur Notwendigkeit einer stärkeren Qualitätskontrolle der häuslichen Pflege, auch zur Bekämpfung von Gewalt gegen ältere Menschen, teil. Die Pflegekraft Camelia Luchian berichtete von ihren Erfahrungen. Anschließend ging die Generalsekretärin des AGB/CGIL, Cristina Masera, auf die gewerkschaftlichen Aspekte ein. Die Schlussworte sprachen Claudia Carlino (SPI nazionale) und Emanuela Loretone (FILCAMS). Moderatorin war Ilaria Cagol.



