Notaufnahme. Die Erhöhung der Tickets ist keine Lösung
„Wir betrachten die mögliche Erhöhung der Selbstbeteiligung für die Notaufnahme kritisch, ohne das Problem jedoch herunterspielen zu wollen“, so die Generalsekretärin der AGB/CGIL, Cristina Masera.
Nach Angaben des Assessorats für das Gesundheitswesen nehmen die Notaufnahmen zu (vorläufige Zahl für 2025: über 300.000), doch nur 30 Prozent der Patientinnen und Patienten sind echte Notfälle. „Nicht jeder Schmerz kann jedoch vom Patienten richtig interpretiert werden, und die Gefahr, dass eine Maßnahme, die zur Entlastung des Systems gedacht ist, zu einem einkommensabhängigen Selektionsmechanismus wird, ist real. Für ältere Patientinnen und Patienten sowie für diejenigen mit geringem Einkommen muss daher weiterhin ein angemessenes Sicherheitsnetz verbleiben“, fährt der Generalsekretär der Rentnergewerkschaft Alfred Ebner fort.
Der AGB/CGIL begrüßt die Zielsetzung der Provinz, die wohnortnahe Versorgung zu stärken. „Gemeinschaftshäuser, ausgebaute Hausarztpraxen und Gesundheitsbezirke mit proaktiven Hausbesuchen gehen in die richtige Richtung und finden unsere grundsätzliche Zustimmung. Wichtig wird die Nutzung der neuen einheitlichen Nummer 116117 für nicht dringende Behandlungen sein, die der Beratung gewidmet ist. Unserer Meinung nach sollte daher jede Erhöhung des Tickets zumindest erst nach einer angemessenen Testphase der neuen Modalitäten geprüft werden“, fügt Masera hinzu.
Nach Ansicht der Gewerkschaft reichen strukturelle Reformen allein nicht aus: Ausschlaggebend ist, dass die Bevölkerung die neuen Angebote auch annimmt und nutzt. Nicht zuletzt besteht die Gefahr, dass angesichts des einfachen Zugangs der Menschen zur künstlichen Intelligenz, viele mit einer im Internet erstellten Vorabdiagnose zum Arzt kommen, was zusätzlichen Druck auf das Gesundheitspersonal erzeugt. „Das Problem liegt nicht in der Technologie an sich, sondern in der schwer einschätzbaren Zuverlässigkeit solcher Antworten und im Fehlen einer klinischen Verantwortung, die Algorithmen nicht übernehmen können. Wir fordern daher gezielte Sensibilisierungskampagnen und einen besseren Zugang zur Grundversorgung, um sofortige Antworten zum Gesundheitszustand zu erhalten“, schließen die beiden Sekretäre in einer Mitteilung.



