Tagung zum Thema „Energiearmut”
2,4 Millionen italienische Haushalte sind von Energiearmut betroffen, davon allein 55.000 in Trentino-Südtirol. Ausgehend von dieser Zahl wurde in Bozen die Tagung „Energiearmut” organisiert, die von der Rentnergewerkschaft und der Fachgewerkschaft für den Energiebereich des AGB/CGIL veranstaltet wurde. Das Thema diskutiert haben Alfred Ebner, Generalsekretär der Rentnergewerkschaft SPI/LGR, Rossana Rolando, Generalsekretärin der Filctem/Gechta. Weitere Teinehmer waren Carla Mastrantonio, nationale Sekretärin des SPI, Rossella Muroni des nationalen SPI, Elena Petrosino und Ilvo Sorrentino, nationale Sekretäre der Filctem, sowie die Führungskräfte von Alperia Johanna Vaja, Direktorin Corporate HR, und Alessandro Randon, CEO Smart Services.
In seinem Bericht erklärte Alfred Ebner, dass Energiearmut durch eine Kombination aus niedrigem Einkommen, hohen Energiekosten und ineffizienten Wohnungen entsteht und vor allem ältere Menschen, alleinstehende Frauen und kinderreiche Familien betrifft. Die Folgen sind nicht nur wirtschaftlicher Natur: Das Leben in der Kälte führt zu Atemwegserkrankungen und sozialer Isolation. Ebner wies außerdem auf eine strukturelle Ungleichheit hin: Wer arm ist, spart, indem er auf Komfort verzichtet, wer über Mittel verfügt, investiert, um den Verbrauch langfristig zu senken. Die an den ISEE geknüpften staatlichen Beihilfen weisen erhebliche Lücken auf, da sie beispielsweise diejenigen ausschließen, die mit Holz oder Pellets heizen. Ein positiver Schritt ist die automatische Auszahlung der Bonusse ab 2025. Auf europäischer Ebene stellt der Sozialfonds für den Klimaschutz mit 65 Milliarden Euro für den Zeitraum 2026-2032 eine konkrete Chance dar. „Wir hoffen auf einen integrierten Ansatz zwischen Energie- und Sozialpolitik, bei dem die Sanierung von Gebäuden in Randgebieten und Erstwohnungen von ansässigen Familien Vorrang hat“, schloss Ebner seine Rede.
In ihrem Bericht hob Rossana Rolando die paradoxe Situation in Südtirol hervor: Eine Provinz, die fast doppelt so viel Energie produziert, wie sie verbraucht, und dennoch denselben Preissteigerungen wie der Rest Italiens ausgesetzt ist, da die Kosten auf den europäischen Märkten auf der Grundlage des Gaspreises festgelegt werden. Als die Preise zwischen 2021 und 2022 aufgrund des Krieges in der Ukraine explodierten, verdoppelten oder verdreifachten sich die Rechnungen, und viele Arbeitnehmer verloren an Kaufkraft. Die Herausforderung besteht laut der Gewerkschaft CGIL daher darin, die Wasserkraftressourcen zu nutzen, erneuerbare Energiegemeinschaften zu entwickeln, Wasserkonzessionen besser zu verhandeln und in die Energieeffizienz von Gebäuden zu investieren, um eine sozial gerechte Energiewende zu gewährleisten, die hochwertige Arbeitsplätze schafft.
Die Konferenz wollte daher die Politik und die Öffentlichkeit für ein Phänomen sensibilisieren, das noch zu wenig sichtbar ist und zu wenig diskutiert wird, in der Hoffnung, dass die Energiekrise zu einer Chance für eine solidarische Entwicklung der Region wird.



